Aktuelle Forschungsprojekte

Projekt "Erwerbsverhalten von Frauen nach Migration: Ein dynamischer Ansatz zum Familien- und Erwerbsverhalten nach Migration."

Hintergrund

Eine Vielzahl von Studien sind bislang vorgelegt worden, die die Arbeitsmarktintegration von Migrantinnen und Migranten thematisiert haben. Schwerpunkt der meisten empirischen Analysen war die Frage der Arbeitsmarktintegration von Migranten. Migrantinnen wurden hingegen häufig als „tied movers“ betrachtet, deren Erwerbs- und Migrationsentscheidung denen ihrer Partner nachgeordnet ist. Wie diese geschlechtsspezifischen Migrationsmuster das spätere Erwerbs- und Familienverhalten von Migrantinnen prägen und welche Konsequenzen sich daraus für soziale Ungleichheit und Prozesse sozialer Exklusion ergeben, war bislang nur selten Gegenstand empirischer Untersuchungen. In diesem Projekt versuchen wir diese Lücke zu füllen, indem wir, aufbauend auf dem Lebenslaufansatz, die Wechselwirkungen zwischen Migrations-, Erwerbs- und Familienbiographie im Leben von Migrantinnen untersuchen. Als Datenbasis verwenden wir die IAB-Migrations- und Flüchtlingsstichprobe des Sozio-Oekonomischen Panels (GSOEP), die integrierten Erwerbsbiographien des IAB (IEBS) sowie Daten des Mikrozensus. Die Analysen konzentrieren sich auf Migrantinnen, die zwischen 1990 und 2015 nach Deutschland gezogen sind.

Ziel

Ziel unserer Analysen ist es, erstens einen Beitrag zum Verständnis des Arbeitsmarkt- und Familienverhaltens der neuen Migrantengruppen auf Basis der reichhaltigen Längsschnittdaten zu geben, die mittlerweile für Deutschland zur Verfügung stehen. Zweitens soll im Rahmen des Projekts die zum Teil unverbundene Literatur zur Familien- und Arbeitsmarktdynamik von Migrantinnen und Migranten integriert werden. Drittens leisten wird aufbauend auf dem Lebensverlaufsansatz einen Beitrag zum Verständnis, wie sich frühe Lebensereignisse und -bedingungen, insbesondere zum Zeitpunkt der Migration auf die spätere Familien- und Erwerbsdynamik auswirken.

Projektlaufzeit: 2018 - 2021

Fördereinrichtung:

DFG


Projekt „Aktuelle europäische Binnen- und Flüchtlingsmigration nach Deutschland: Zuzugsprozesse und frühe Integrationsverläufe“ (ENTRA)

Hintergrund

Mit Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) führen Claudia Diehl (Konstanz), Matthias Koenig (Göttingen) und Cornelia Kristen (Bamberg) ein neues Forschungsprojekt durch, das sich mit den Zuzugsdynamiken und den sprachlichen, strukturellen und soziokulturellen Integrationsprozessen von jüngst Zugewanderten in Deutschland befasst. Anschließend an das internationale Verbundprojekt SCIP (“Socio-Cultural Integration Processes among New Immigrants in Europe“) zielt es darauf ab, auf Grundlage neu zu erhebender Paneldaten (zwei Erhebungswellen) und anhand einer größeren Zahl von Neuzuwanderergruppen die derzeit Zuziehenden angemessen zu beschreiben, aktuelle Fragen der Migrations- und Integrationsforschung zu beantworten und wichtige Informationen für die politische Steuerung des Migrations- und Integrationsgeschehens zu liefern. Die empirische Untersuchung von Neuzuwanderern setzt an drei Forschungsdefiziten an. Erstens bleibt in der bisherigen Forschung das relative Gewicht von Herkunfts- und Ziellandeffekten auf Integrationsverläufe weitgehend ungeklärt, da in den meisten Datensätzen Einwanderer befragt werden, die bereits länger im Zielland leben. Zweitens wird die Erklärung des Migrations- und Integrationsgeschehens dadurch erschwert, dass die meisten Datensätze einmalige Befragungen sind und die Dynamik des Integrationsgeschehens damit nicht erfasst werden kann. Und drittens hat sich die Migrations- und Integrationsforschung überwiegend auf die gering qualifizierten Arbeitsmigranten konzentriert und weder Geflüchteten noch Hochqualifizierten die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt.

Forschungsfragen/Ziele

Anhand einer standardisierten Befragung jüngst nach Deutschland zugewanderter Polen, Türken, Rumänen, Italiener, Syrer und Iraker sollen die Themenbereiche Zuwanderung und Settlement, sprachliche und strukturelle Integration sowie Identität, Akkulturation und Religion gezielt in einem Forschungsdesign bearbeitet werden, das die Analyse herkunftsgruppenspezifischer Integrationsverläufe gestattet, gleichzeitig aber auch der inneren Heterogenität innerhalb der Herkunftsgruppen Rechnung trägt. Die ausgewählten Herkunftsgruppen weisen einerseits eine deutliche Varianz im Hinblick auf Merkmale wie ihr durchschnittliches Bildungs- und Qualifikationsniveau, ihre religiösen Zugehörigkeiten oder ihre Migrations- bzw. Fluchtursachen auf, andererseits lässt sich an ihnen auch die Bedeutung ethnischer Gruppengrenzen für die Entstehung gruppenspezifischer früher Integrationsverläufe analysieren. Diese gruppenvergleichende Perspektive ist gerade im Hinblick auf Geflüchtete von Bedeutung, da sie Rückschlüsse darüber zulässt, worin nach Berücksichtigung ihrer Individualmerkmale die Besonderheiten ihrer Integrationsverläufe liegen. Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird von der DFG mit ca. 1,4 Millionen Euro gefördert und beginnt am 1.9.2017.

Projektlaufzeit: 2017 - 2020

Fördereinrichtung:

DFG

Kooperationspartner:

Prof. Dr. Matthias Koenig (Georg-August-Universität Göttingen und Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften Göttingen)

Prof. Dr. Corneila Kristen (Otto-Friedrich-Universität Bamberg)

Bearbeiter:

Daniel Degen


Pressemeldung

Projekt "Refugees and their early Integration in Society and Education" (RISE)

Hintergrund

Die Integration junger Flüchtlinge in Schule, Ausbildung und Beschäftigungssystem ist für deren gleichberechtige Teilhabe sowie die gesellschaftliche Akzeptanz von Zuwanderung von großer Bedeutung. Da ein großer Teil der Zugewanderten der Berufsschulpflicht unterliegt, ist insbesondere das System der beruflichen Bildung entscheidend. In Baden-Württemberg erfolgt die Integration in die vollzeitschulische berufsvorbereitende Maßnahme VABO  (Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen). Vorrangiges Ziel ist dabei die Vermittlung deutscher Sprachkenntnisse.
Bislang ist nur sehr wenig über die frühen Integrationsverläufe der aktuellen Zuwanderer in das (Aus-)Bildungssystem, das Beschäftigungssystem sowie die Gesellschaft allgemein bekannt. Hier setzt die interdisziplinär angelegte Studie an, die eine soziologische und bildungswissenschaftliche Perspektive verbindet. Die Ergebnisse zu den Übergängen nach der VABO-Klasse, zur Deutschkompetenz, zu den Bildungsaspirationen sowie zu Merkmalen der Integration und Akkulturation sollen damit zur Reduktion der Informations- und Forschungsdefizite beitragen.

Leitende Forschungsfragen / Ziele

Welche Schülerinnen und Schüler besuchen die VABO-Klassen? Welche Voraussetzungen und Charakteristika bringen sie mit?
Es sollen integrationsrelevante Charakteristika (z.B. Migrationsbiografie) und die frühen Integrationsverläufe in Bildung und Arbeit (Sprachkenntnisse, Übergänge nach dem Besuch der VABO-Klassen) und die Gesellschaft (außerschulische Integration) im Längsschnitt beschrieben werden.
Welche Faktoren können interindividuelle und gruppenspezifische Unterschiede in den Integrationsverläufen erklären?
Es stellt sich v.a. die Frage, ob sich nach Kontrolle der individuellen Voraussetzungen für den Bildungserfolg noch gruppenspezifische Muster (z.B. nach Herkunftsland) ausmachen lassen.
Welche methodischen Erkenntnisse lassen sich für die Datenerhebung unter jüngst zugezogenen Flüchtlingen ableiten?
Auf Basis von Informationen bezüglich der sprachlichen Fähigkeiten, der Auskunftsbereitschaft sowie der Dropout-Raten während und zwischen den Schuljahren sollen die Instrumente für die Befragungen möglichst passgenau zugeschnitten werden.

Methode

Es wird eine Erhebung mit zwei Messzeitpunkten unter berufsschulpflichtigen Flüchtlingen in VABO-Klassen im Regierungsbezirk Freiburg durchgeführt. Der erste Messzeitpunkt (Anfang/2017) beinhaltet Fragen zur Migrationsbiographie, zur Vorbildung, zu Bildungsaspirationen, zur familiären Situation und zu Integrationsindikatoren (z.B. soziale Kontakte, Einstellungen zum Zielland). Ziel der zweiten Erhebung (Ende/2017-Anfang/2018) ist die Analyse von Veränderungen zwischen den beiden Messzeitpunkten und von den Übergänge und Anschlusslösungen nach der VABO-Klasse.
Zum Einsatz kommt jeweils ein Online-Fragebogen sowie Tests zur Erfassung des Sprachstands in Deutsch und der kognitiven Grundfähigkeiten. Um Sprachbarrieren zu begegnen, werden die Fragebögen und Testanweisungen jeweils in mehrere Sprachen übersetzt.

Projektlaufzeit: Oktober 2016 - September 2018

Fördereinrichtung:

Netzwerk Bildungsforschung der Baden-Württemberg Stiftung

Kooperationspartner:

Prof. Dr. Stephan Schumann

Bearbeiterin:

Elisabeth Maué


Projekt-Webseite:

http://www.rise-study.com


Projekt "Advancing the European Multilingual Experience" (AThEME)

Hintergrund

In dem EU Projekt „Advancing the European Multilingual Experience“ ist Claudia Diehl gemeinsam mit Janet Grijzenhout an einem Workpackage beteiligt. Dessen Fokus liegt in „Heritage Language Users“ (Sprecherinnen und Sprecher einer Herkunftssprache) in der europäischen Gemeinschaft. Gemeint sind Sprecherinnen und Sprecher, die gleichzeitig oder kurz nacheinander sowohl eine Herkunftssprache, d.h. die Sprache der Eltern, die sie von Geburt an erworben haben, als auch die Umgebungssprache, d.h. die dominierende Sprache, die in der Gesellschaft gesprochen wird, erwerben.

Forschungsfragen / Ziele

Ziel ist, die soziolinguistischen Faktoren zu erforschen, die dazu beitragen, dass eine Herkunftssprache nur teilweise erworben oder beibehalten wird, so dass die Kompetenz in die Herkunftssprache und/oder der Umgebungssprache nicht muttersprachlich ist.

Projektlaufzeit: 2014–2018

Fördereinrichtung:

European Union's Seventh Framework Programme for research, technological development and demonstration

Kooperationspartner:

Prof. Janet Grijzenhout
Prof. Josef Bayer

Bearbeiterin:

Monika Lindauer


Projekt-Webseite:

http://www.atheme.eu/


Projekt "Migrants’ Welfare State Attitudes" (MIFARE)

Hintergrund

This research proposal is among the first to focus on migrants’ attitudes towards the welfare state. In Europe, the field of research on welfare state attitudes has ignored the perspective of migrants almost completely. Due to migrants’ socialization in different welfare regimes, and their often disadvantaged socio-economic positions, the migrant perspective provides a unique opportunity to test the central theories in the field on the role of self-interest, group-loyalty and of socialization in different welfare regimes.

Forschungsfragen / Ziele

We aim to study migrants’ welfare state attitudes, and to explain differences across migrant groups, as well as differences compared to the overall public opinion in the country of origin and the host country. With this innovative focus we answer questions that cut across the call’s themes of ‘People and the welfare state’, ‘Inequalities and diversity’ and ‘Future politics’. We rely on existing cross-national datasets such as the ISSP. However, we also propose a harmonized and unique data collection among migrants in the destination countries Denmark, Germany and the Netherlands.

We composed a team with expertise on data collection among migrants, on public opinion research, and expertise on welfare state attitudes in particular. The project offers five young researchers (3 postdocs and 2 PhDs) the opportunity to continue or start their academic career including the opportunity to spend some time in another country involved in the project. The investment in this project will result in two dissertations, five research articles by each of the postdocs and a book compiled by the seniors involved. The unique focus on migrants provides both the academic community and policy makers with insights on new groups in society.

Projektlaufzeit: 2015–2018

Fördereinrichtung:

DFG / Norface (New Opportunities for Research Funding Agency Cooperation in Europe)

Projekt- und Kooperationspartner:

Marcel Lubbers, Universität Nijmegen (Principal Investigator)
Prof. Dr. Christian Albrekt Larsen, Aalborg University

Prof. Dr. Theresa Kuhn, University of Amsterdam

Bearbeitende:

Dr. Verena Seibel
Daniel Degen, M.A.


Projekt-Webseite:

https://welfarestatefutures.org


Hauptstudie "Religiosität, kulturelle Ressourcen und Bildungserfolg"

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Rolle von individueller Religiosität – vor allem der Rolle des Islams – für den Bildungserfolg in Deutschland. Der Schwerpunkt wird der Frage nachgegangen wie bedeutsam die Religionszugehörigkeit bzw. die individuelle Religiosität für die Aufklärung von Ungleichheiten bei den individuellen Kompetenzen, den Schulnoten und den besuchten Schultyp sind und ob es hier Hinweise auf diskriminierende Prozesse gibt.

Für die aufgeworfenen Fragen wird auf die Daten des DFG/NORFACE geförderten Projekts Children of Immigrants Longitudinal Survey in Four European Countries ( www.cils4.eu) zurückgegriffen. CILS4EU ist eine Studie von Schülerinnen und Schülern, Eltern und Schulen in vier europäischen Ländern, deren Daten wissenschaftlicher Forschung zur Verfügung stehen. Im Rahmen dieses Projekts wird lediglich auf den deutschen Datensatz zurückgegriffen.

Projektlaufzeit 2016–2017

Kooperationspartner:

Prof. Dr. Matthias Koenig (Georg-August-Universität Göttingen und Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften Göttingen)

Fördereinrichtung:

Stiftung Mercator

Bearbeiter:

Patrick Fick


Studie Religiosität und Bildungserfolg