Grenzgänge

Nakonde, Sambia, April 2013

Mein sambischer Mitbewohner hat beschlossen, sich ein Auto zu kaufen. Auf den ersten Blick für mich aus ethnologischer Perspektive belanglos. Autokauf funktioniert in Sambia jedoch etwas anders als man das in Europa kennt. Zwar gibt es in Lusaka auch Autohäuser, die mit Neu- und Gebrauchtwagen handeln, doch die gängigste und beliebteste Methode ist, Autos zu importieren. Diese sucht man sich auf einschlägigen Internetseiten aus und nach einer Anzahlung werden sie...

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Armut, Kultur oder Menschenhandel? Die „Biographie des Bettelns“ in Senegals Koranschulen

Dakar, Juli 2012

Mit meiner Kontaktperson N. bin ich zu Besuch bei maitre K. in seiner Koranschule im ärmlichsten Viertel von Pikine, einem Vorort Dakars mit denkbar schlechtem Ruf. Ich hatte N. gebeten, mich mit einigen maitres in Verbindung zu setzen; er wiederum will den Besuch bei K. dafür nutzen um "nach dem Rechten zu sehen", denn vor kurzem war einer dessen Schüler geflüchtet. Dieser Junge war unterdessen im staatlichen centre d´accueil (Kinderheim) gelandet. Maitre K. setze nun alles...

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PP - eine ethnographische Fotoausstellung

Konstanz, März – Mai 2012

Ich habe ihn nie kennengelernt. Er muss, so erzählt man mir, ein ganz besonders intensiver Mensch gewesen sein – voller Geschichten, präsent und dringlich in der Begegnung, mit biographischer Tiefe und lebensweltlicher Weisheit und einem unbändigen Mitteilungsbedürfnis, welches ihn zum Autor vieler (wissenschaftlicher und literarischer) Bücher und unzähliger Aufsätze werden ließ: Paul Parin (1916–2009), Ethnopsychoanalytiker, Zürich. Dass er und seine Ehefrau Goldy...

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Wer bin ich ? - Und wenn ja, wie viele?

Konstanz, Februar 2013

Das althergebrachte Bild des Ethnologen mit Knickerbockern und Tropenhelm, der monatelang in einem abgelegen exotischen Dorf mit 'den Eingeborenen' lebt, um ihre Sitten und Gebräuche zu lernen, ist – glücklicherweise – schon seit Jahrzehnten passé. So altmodisch dieses Bild auch sein mag (und so falsch es schon immer war), so klar wäre es doch in seiner Schlichtheit, in seiner klaren Rollenzuweisung sowohl für mich selbst als auch in der Außenwahrnehmung interessierter...

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Zu Besuch bei der "Professorin": Sind wir fit für die Wirtschaftskrise?

Konstanz, Juni 2012

"Sie verkaufen vier Kisten Äpfel, zwei Kisten Maigold und zwei Kisten Jonagold. Beide Sorten kosten einen Euro für fünf Äpfel. Am nächsten Tag verkaufen sie wieder vier Kisten, diesmal aber die zwei Kisten Maigold zu vier Stück für einen Euro, die beiden Kisten Jonagold zu sechs Stück für einen Euro. Machen sie nun mehr Gewinn als am Vortag, oder weniger?" Autsch, erwischt: Im Kopfrechnen bin ich ganz schlecht, ehrlich. Aber "Professorin" Susi Wirth hat wieder einmal recht:...

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"Gefahr im Feld" oder eine "Eine Frage der Einschätzung"

Johannesburg im April 2012, Musina im September 2012

"Was, du gehst nach Johannesburg?", fragte man mich besorgt in meinem Bekanntenkreis kurz vor meiner Abreise aus Deutschland. "Das ist aber gefährlich!" – "What, you are going to Musina? Are you crazy? That is nearly in Zimbabwe!", wurde mir in Johannesburg vorgehalten. Als ich vorsichtig nachfragte, kam die Antwort: „There is nothing, just crime! You know, it is the biggest port of entry."

Nun, ich kann mir wirklich Schöneres vorstellen als...

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Wissenschaft trifft Theater: Alles Wüste?

Konstanz, 2011-2012

Es war eine Begegnung, mit der ich nicht gerechnet hatte. Erst vor kurzem an der Universität Konstanz angekommen, hatte ich mir noch Gedanken gemacht, ob meine Forschungsreisen ins südliche Afrika in Zukunft vom Flughafen Zürich oder vom Flughafen Stuttgart aus starten würden. Doch dann erfuhr ich, dass ich mit dieser Frage nicht alleine war. Seit einigen Jahren unterhält das Stadttheater Konstanz rege Beziehungen mit afrikanischen Dramaturgen und Schauspielern, und so kam...

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Öffentlicher Nahverkehr à la Dubai: Verhaltensvorschriften auf dem Weg zum Interview

Dubai, 23.1.2010

Zu meinem Interviewtermin im Luxushotel Burj al-Arab werde ich wohl mit dem Taxi fahren müssen, weil die U-Bahn von Dubai dort nämlich keine Station hat. Dafür hält die an der Dubai Mall, der größten Mall der Welt am höchsten Turm der Welt. So eine U-Bahn-Fahrt hat was, denn "U" ist sie nicht – sie fährt eher wie eine Magnetschwebebahn auf hohen Stelzen. Dadurch ist es eher eine eindrucksvolle Stadttour, die man für den Preis von 1,50 Euro bekommt. Erschwinglich für mich, aber...

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Wenn die Grenzen der Privatsphäre verschwimmen...

Katar, 20.3.2010

Im Hotel-Zimmer schon wieder ein ungeahntes Problem: Darf man seine Unterwäsche in eine Schublade legen, in der ein Aufkleber klebt, der die Richtung der Qibla (also Mekka) zum Beten angibt? Man könnte über diese Frage lachen, aber letzte Woche wurde in Saudi-Arabien ein Australier gefeuert, weil er in einem Paket nach Hause einen Koran zwischen zwei Paar Schuhe gelegt hatte.

Inken Wiese ist Doktorandin am Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration". Ihre...

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Wie man den "Geertz" macht

Daressalam, 26.5.2011

Der Hahnenkampf in Bali ist jedem Studenten der Ethnologie ein Begriff. In den 1970er Jahren zeigte der amerikanische Ethnologe Clifford Geertz am Beispiel dieses Volkssports, wie sich durch "dichte Beschreibung" anhand eines einzigen sozialen Ereignisses ganze gesellschaftliche Verhältnisse auffächern lassen. Bekannt ist Geertz auch für eine moderne Ethnologie, bei der die Rolle des Forschenden in seinem sozialen Umfeld thematisiert und reflektiert wird. In einer...

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