Abgeschlossene Projekte

Identificational Integration of Ethnic and Non-Ethnic Migrants in Germany and Israel

Dieses von der Volkswagen Stiftung von 2008-2012 geförderte Drittmittelprojekt wurde in Kooperation mit Rebeca Raijman von der Universität Haifa 2007 eingeworben und durchgeführt. Es handelt sich um eine international vergleichende qualitativ angelegte Primärerhebung. Gegenstand des geplanten Projekts sind die identifikativen Integrationsverläufe von sogenannten ethnischen und nicht-ethnischen Migranten. Unter ethnischen Migranten werden Einwanderer verstanden, die im Zielland unmittelbar nach der Ankunft zur ethnischen Mehrheit gehören (in unserem Fall Aussiedler in Deutschland und jüdische Zuwanderer in Israel), während es sich bei nicht-ethnischen Migranten typischerweise um ökonomisch oder politisch motivierte Einwanderergruppen (und ihre Familien) handelt, die im Aufnahmeland ethnische Minderheiten bilden. Trotz zahlreicher empirischer Hinweise darauf, dass sich die identifikativen Eingliederungsmuster beider Gruppen grundlegend unterscheiden, existiert bislang keine Studie, in der diese Unterschiede systematisch untersucht werden. Da sich ethnische und nicht-ethnische Einwanderer sowohl bezüglich ihrer individuellen (v.a. Bildungs-) und familiären Ressourcen als auch hinsichtlich ihrer Eingliederungsopportunitäten im Zielland unterscheiden, lassen sich anhand einer vergleichende Studie neue Erkenntnisse über die Einflussfaktoren der identifikativen Eingliederung von Immigranten in verschiedenen Kontexten gewinnen.

Kooperationspartnerin:

Prof. Dr. Rebeca Raijman, Universität Haifa, Israel 

Fördereinrichtung:

Volkswagen Stiftung

Bearbeitende:

Roxane Soergel und Katharina Moosbauer

Causes and Consequences of Early Socio-Cultural Integration Processes among New Immigrants in Europe (SCIP)

The SCIP project studies integration trajectories of new immigrants in four European countries: Germany, the Netherlands, Ireland and Great Britain. Its substantive focus will be on migrants’ socio-cultural integration. This aspect of migration has received increasing attention in public debate yet remains seriously under-researched. In particular, existing data cannot settle the question whether socio-cultural integration is a consequence or a prerequisite for migrants’ structural integration (e.g. in the labour market) – and whether, how and why groups might differ in this regard. By focusing on recent arrivals, the SCIP project will study a particularly dynamic phase of the entire integration process, thus laying the ground for the creation of a “European New Immigrant Panel” that matches the existing new immigrant surveys in classical immigration countries such as the USA.

In the SCIP project, two cross-national waves of survey data will be collected among groups of new immigrants that vary along a number of dimensions, including religion (Catholics versus Muslims), social status (medium to high-skill versus low-skill migrants) and political identity (EU citizens versus non-EU-citizens). In all four countries, recently arrived Poles will be sampled, along with new immigrants from Turkey (in Germany), Turkey and Morocco (in the Netherlands), and Pakistan (in the UK). Depending on the country, random samples of immigrants with a maximum duration of stay of one year will be collected, either from population registers or by using respondent driven sampling.

Conceptually, the SCIP project builds on sociological and social psychological theories of identity, symbolic boundaries, and integration patterns. Against that background, the crucial question is how to explain the identification strategies chosen by newcomers during the first years of migration and the resulting socio-cultural integration trajectories. It may be expected that these trajectories, while reflecting migrants’ resource endowments upon arrival, also display group- and country-specific features. Group- and country-specific variation can furthermore be expected to be found in the relationship between these socio-cultural trajectories and migrants’ structural integration in other societal spheres, e.g. on the labour market. In particular, compatibility of home- and host-country orientations as well as of ethnic maintenance and socio-economic integration may be assumed to differ between groups and countries. For “unpopular” groups, for instance, structural integration and contacts to natives may come along with normative pressures to give up ethnic loyalties. Similarly, some but not all immigrant groups may benefit “structurally” from strong and stable ethnic (or religious) identities or transnational networks. With regard to country-level, institutional types of migrant incorporation, degrees of religious regulation and levels of informal exclusion should affect socio-cultural integration trajectories and their relationship to structural integration.

The SCIP project closely studies the causality behind these various relationships, searching for systematic explanations of variations without referring to essentialist arguments. It thereby aims to produce more nuanced and in-depth knowledge of socio-cultural integration processes in contemporary European societies.

Kooperationspartner:

Mérove Gijsberts, The Netherland Institute for Social Research SCP
Ayse Güveli, University of Essex
Matthias Koenig, Georg-August-Universität Göttingen
Cornelia Kristen, Universität Bamberg
Marcel Lubbers, Radboud University Nijmegen
Frances McGinnity, Economic and Social Research Institute ESRI,Dublin
Peter Mühlau, Trinity College Dublin
Lucinda Platt, Institute of Education, University of London
Frank Van Tubergen, Utrecht University

Fördereinrichtung:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (NORFACE-ERA Net Programm)

Zuwanderungsland Baden-Württemberg: Migration und Integration im Generationenverlauf

Im Rahmen der Befragung wurden 3000 Personen unterschiedlicher Herkunftsgruppen und Zuwanderergenerationen im Hinblick auf ihr Integrationsverhalten telefonisch befragt und miteinander verglichen. Die Stichprobenziehung erfolgte mit Hilfe eines namensbasierten Verfahrens (Onomastik) und eines zusätzlichen mehrstufigen Screening-Verfahrens. Inhaltlich deckt die Studie ein breites Feld ab, besonderer Schwerpunkt liegt aber auf der Untersuchung generationaler Wandlungsprozesse im Bereich der subjektive Wahrnehmung von Zugehörigkeit und Akzeptanz, der sozialen und politischen Partizipation, der sozialen Netzwerken und der transnationalen Aktivitäten.

Kooperationspartner:

Prof. Dr. Thomas Hinz, Universität Konstanz

Fördereinrichtung:

Ministerium für Integration Baden-Württemberg

Bearbeitende:

Patrick Fick und Thomas Wöhler

Publikationen aus dem Projekt:

"Integration gelungen? Die fünf größten Zuwanderergruppen in Baden-Württemberg im Generationenvergleich"

Datensatz verfügbar im GESIS Datenarchiv unter GESIS ZA-Nr.: ZA6761

Pilotstudie Religiosität, kulturelle Ressourcen und Bildungserfolg - Sekundärdatenanalyse mit den CILS4EU-Daten

Religiosität wird zunehmend als ein individuelles Merkmal betrachtet, das im Prozess der Migration starken Veränderungen unterliegt, gleichzeitig aber auch die Eingliederung von Zuwanderern und ihren Nachkommen in die zentralen Statussysteme des Aufnahmelandes -  hier ist vor allem an das Bildungssystem und den Arbeitsmarkt zu denken – beeinflussen kann. Einige Mechanismen der Wirkung von Religiosität auf Integrationsprozesse werden in einem bekannten Beitrag von Foner und Alba (2008) beschrieben. Bevor diese in einer größer angelegten Erhebung empirisch untersucht werden können, wird im Rahmen einer Pilotstudie eine ausführliche Sekundäranalyse bestehender Datensätze durchgeführt, um vorhandene Erkenntnisse und Daten zusammenzutragen und um Forschungslücken zu identifizieren. Dabei geht es erstens darum die zu untersuchenden Mechanismen und Zusammenhänge zu spezifizieren. Dazu müssen die entsprechenden Befunde zu dem Thema aus der Literatur zusammengetragen sowie die aus anderen Zusammenhängen bekannten relevanten theoretischen Mechanismen auf das konkrete Thema übertragen werden (z.B. Befunde zur Rolle von sozialen Netzwerken bei der Entstehung von Bildungsaspirationen). Auf dieser Grundlagen lassen sich dann konkrete und testbare Hypothesen und Erwartungen für eine Hauptstudie generieren. Zweitens wird eruiert werden, welche der für die Hypothesentestung benötigten Indikatoren in den existierenden Datensätzen für unterschiedliche Herkunftsgruppen und Einwanderergenerationen bereits erhoben wurden. Drittens wird eine Sekundäranalyse der bestehenden Datensätze durchgeführt, um die Forschungsfrage weiter zu spezifizieren, die Verteilungen der interessierenden Variablen zu ermitteln und besonders interessante Zusammenhänge zu identifizieren, denen in der Hauptstudie besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden soll. Viertens schließlich wird ein Entwurf für das Untersuchungsdesign der Hauptbefragung erstellt, der vor allem Vorschläge für die Definition der Grundgesamtheit, für die Stichprobenziehung, für den Befragungsmodus und das Erhebungsinstrument etc. enthält. Die Laufzeit der Pilotstudie endet im März 2015.

Kooperationspartner:

Prof. Dr. Matthias Koenig (Georg-August-Universität Göttingen und Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften Göttingen)

Fördereinrichtung:

Stiftung Mercator

Bearbeitender:

Patrick Fick

Publikationsprojekt: Ethnische Ungleichheiten im Bildungsverlauf: Mechanismen, Befunde, Debatten

Die empirische Bildungsforschung hat in den letzten Jahren – teilweise bedingt durch die öffentliche Diskussion der Ergebnisse der PISA Studien - einen regelrechten Boom erfahren. Auch die Migrationsforschung erfuhr im Zuge des offiziellen Bekenntnisses Deutschlands zur Zuwanderung („Deutschland ist ein Einwanderungsland“) einen enormen Auftrieb. Die Forschung zu ethnischen Ungleichheiten im deutschen Bildungssystem verbindet diese beiden Themen und behandelt gleichzeitig einen gesellschaftlichen Bereich, der für die späteren Lebenschancen besonders folgenreich ist. Systematische Gruppenunterschiede im Bildungserfolg stehen im Verdacht, problematische und ungerechte Abweichungen vom Meritokratieprinzip darzustellen, so dass die Frage nach deren Ursachen große Aufmerksamkeit genießt. Erhalten Kinder von Einwanderern tatsächlich bei gleichen Noten andere Empfehlungen für die weiterführende Schule? Sind „Ausländer“ weniger ehrgeizig hinsichtlich des Bildungserfolgs ihrer Kinder? Besuchen Einwandererkinder die schlechteren Kindergärten? Scheitern sie häufiger im Studium? Die Bedeutung dieser und ähnlich gelagerter Fragen liegt auf der Hand, die Antworten sind aber oft viel weniger klar und eindeutig als es zunächst scheinen mag. Zwar liegen mittlerweile die Ergebnisse zahlreicher empirischer Analysen vor, diese sind aber ohne das entsprechende Hintergrundwissen oft schwer zu vergleichen, einzuordnen und zu bewerten. In dem geplanten Band soll ein Überblick über die Ergebnisse der empirischen Forschung zu ethnischen Bildungsungleichheiten gegeben werden. Dafür werden Autorinnen und Autoren zusammengebracht, die jeweils eine besondere Expertise in Bezug auf die unterschiedlichen Bildungsetappen und -prozesse besitzen und den mittlerweile sehr komplexen Forschungsstand zu diesem Themenbereich verständlich und kenntnisreich aufarbeiten. Sie identifizieren die wichtigsten und stabilsten Ergebnisse zu den behandelten Fragen, vergleichen diese überblicksartig, weisen auf Forschungslücken hin und diskutieren offene bzw. strittige Fragen.

Der fertige Sammelband Ethnische Ungleichheiten im Bildungsverlauf wurde am 18. November 2015 mit einer öffentlichen Veranstaltung in Berlin vorgestellt.

Diehl, Claudia, Hunkler Christian und Cornelia Kristen (Hrsg.) (2016): Ethnische Ungleichheiten im Bildungsverlauf. Mechanismen, Befunde, Debatten. Wiesbaden: Springer VS.

Kooperationspartner:

Cornelia Kristen, Universität Bamberg;

Dr. Christian Hunkler Max Planck Institute for Social Law and Social Policy München

Fördereinrichtung:

Stiftung Mercator

Welche Rolle spielt die Sprache bei der Entstehung ethnischer Diskriminierung? (Pilotprojekt AThEME)

In dem geplanten Forschungsvorhaben soll untersucht werden, ob Abweichungen von der Hochsprache – operationalisiert über kleinere Fehler, die in schriftliche Texte eingebaut werden – bei unterschiedlichen Minderheitengruppen zu unterschiedlichen Bewertungen der Sprachkenntnisse und der generellen Kompetenz durch Mehrheitsangehörige führen. Es wird erwartet, dass es diesbezüglich Gruppenunterschiede gibt, die systematisch mit dem sozialen Status der jeweiligen Herkunftsgruppe variieren. Dies bedeutet konkret, dass ein vermeintlich von einer Britin verfasster Text, der einige orthografische, grammatikalische und Syntaxfehler enthält, als weniger fehlerhaft wahrgenommen wird als ein ähnlich fehlerhafter Text einer Türkin. Gleiches gilt für die auf Grundlage des Textes eingeschätzte Kompetenz der jeweiligen Verfasserin. Solche gruppenspezifischen Bewertungen der Fehlerhaftigkeit und der Kompetenz dürfte es nicht geben, wenn Sprache lediglich eine Form des kulturellen Kapitals darstellt und als solche bewertet wird. Ein Fehler wäre dann ein Fehler, unabhängig davon, von wem er gemacht wird. Werden die gleichen Fehler aber für unterschiedliche Gruppen als unterschiedlich gravierend bewertet, wäre dies ein erster Hinweis darauf, dass eben nicht der Fehler als solcher in seiner Schwere bewertet wird, sondern dass dieser ein Signal für eine – unterschiedlich bewertete - Gruppenzugehörigkeit darstellt. Das Forschungsvorhaben wird als schriftliche Befragung einer registerbasierten Zufallsauswahl von Mehrheitsangehörigen durchgeführt werden. Das Projekt wird von Oktober 2014 bis März 2015 laufen und dient der Vorbereitung des bereits bewilligten EU Projekts  "Advancing the European Multilingual Experience" (AThEME).

Kooperationspartner:

Prof. Dr. Janet Grijzenhout, Universität Konstanz

Fördereinrichtung:

Universität Konstanz (AFF Mittel)

Bearbeitende:

Monika Lindauer, Patrick Fick