Improvisationsforschung

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Improvisation

 

Dieser Forschungsbereich widmet sich der soziologischen Untersuchung von Improvisationsprozessen, insbesondere in der Musik – ein Forschungsfeld, das bisher von der Soziologie kaum berücksichtigt wurde. Auf der Basis von ethnographischen Untersuchungen analysieren wir speziell die handlungs- und interaktionstheoretischen, sowie die kultursoziologischen Dimensionen der Improvisation. Im ersteren Sinne zielen wir auf die Formulierung eines handlungs- und interaktionstheoretischen Modells des improvisatorischen Handelns, das Improvisationsprozesse erklären kann. Wir gehen davon aus, dass das bisher bestehende (soziologische) handlungstheoretische Instrumentarium solche Prozesse nur bedingt erklären kann. Problematisch erscheinen für die Theorie zwei Themenkomplexe, die in verschiedenen Forschungsprojekten untersucht werden:

1)Improvisation besitzt einen Doppelcharakter. Dieser besteht darin, dass sie einerseits durch Kreativität gekennzeichnet ist und beispielsweise als Methode des Komponierens fungiert; zum anderen scheint sie eine reproduzierende Gestaltungsweise zu sein, in dem Sinne, dass automatisierte Vorgänge während des Spielens hervorgebracht werden. Wie lässt sich dieser Doppelcharakter der Improvisation handlungstheoretisch erklären? Welche Rolle spielen dabei Handlungsentwürfe, Reflexivität, aber auch Körper, Freiheit und die Regeln des jeweiligen Genres? Mit dieser Fragestellung setzt sich das Projekt Improvisation als „neuer“ Handlungstypus. Eine handlungstheoretische Exploration der musikalischen Improvisation auseinander.

2)Unsere Analysen, sowie neuere Literatur – insbesondere in den Bereichen der Ethnomusikologie, sowie der Kreativitätsforschung – deuten darauf hin, dass das situative und interaktive Moment des Improvisierens in Gruppen eine wesentliche Rolle im improvisatorischen Handeln spielen. Insofern muss ein handlungstheoretisches Modell improvisatorischen Handelns mit der Integration von interaktionstheoretischen Elementen erfolgen, die der zentralen konversationellen Dimension von Improvisationsprozessen gerecht werden. Dabei erhält die Frage hohe Relevanz, wie Abstimmung zwischen den Handelnden in solchen Prozessen erfolgt, da jenseits von Routinen, Erfahrung und Regeln das eigene Handeln sowie das Handeln der Mitmusiker kreativ und insofern wenig antizipierbar ist. Wie ist dabei die Handlungskoordination zwischen den Handelnden zu erklären? Welche Interaktionsmuster und mikrosoziale Ordnungen entstehen?  Im Projekt  Abstimmungsprozesse beim musikalischen Improvisieren in Free Jazz und Flamenco werden diese Themen untersucht.

Kultursoziologisch werden Improvisationsprozesse in der Kunst als spezifische Formen der Sozialität untersucht, die in kulturelle, historische und diskursive Kontexten eingebettet sind. Besonders relevant bei solchen Prozessen ist einerseits die dialogische Dimension, die von den Teilnehmenden eine intensive Aufmerksamkeit bezüglich des eigenen und des fremden Handelns verlangt. Andererseits lebt die Improvisation von Momenten der Ungewissheit, die schöpferische Handlungsweisen und Interaktionen fördert und fordert. Beide Aspekte von Improvisationsprozessen ermöglichen besonders intensiv erlebte Formen der individuellen Expressivität, Spontaneität und Kreativität sowie der Vergemeinschaftung. Da – je nach Genre in unterschiedlichem Grade – ‚Fehler’, ‚Impulse’ und Ungewissheit eine produktive Kraft entfalten, vertreten wir die These, dass das kollektive Improvisieren in der Kunst eher ein Moment des sozialen Ordnens, ein ‚experimentierendes’ Moratorium des Alltags darstellt. Darin liegt das Potential von Improvisationsprozessen für die Gestaltung kreativer Ausdrucks-, Handlungs- und Interaktionsformen.

Mit Termini wie Improvisation bzw. Improvisieren wurde erst im Italienischen des XVIII. Jahrhunderts ein ‚besonderer’ Handlungstypus begrifflich ausgesondert, der einen Kontrast zu geplanten, rationalen, vorhersehbaren, ja in einem gewissen Sinne sozial ordnungskonformeren Handlungstypen darstellt. Es ist jedoch eindeutig, dass Menschen „schon immer“ über die Fähigkeit und die Praxis des Improvisierens verfügen und diese ausüben. Insofern sehen wir Improvisation nicht (nur) als eine ausdifferenzierte Form des Handelns, die sich in kulturellen Nischen ausdrückt, sondern unsere kultursoziologischen Bemühungen zielen darüber hinaus auf die theoretische Integration der improvisatorischen Aspekte des Alltagshandelns mit den bestehenden Handlungs- und Interaktionsansätzen sowie mit Theorien sozialer Ordnung/Wandel. Besonders relevant für empirische Untersuchungen sind Kulturen, in denen „Alltagsimprovisation“ besonders ausgeprägt ist, weil Ungewissheit und nicht Antizipierbarkeit das tagtägliche Leben bestimmen. Fördern diese Kulturen die Kreativität oder hindern sie sie? Ermöglichen diese Gesellschaften andere Formen sozialer Ordnung, die die westliche Prägung dieses Begriffes in Frage stellt?

Unsere Projekte sind interdisziplinär ausgerichtet. Wir kooperieren insbesondere mit Musikwissenschaftler/innen, Ethnomusikologen/innen, Kreativitätsforscher/innen und Musiker/innen.

Dieser Forschungsbereich widmet sich der soziologischen Untersuchung von Improvisationsprozessen, insbesondere in der Musik – ein Forschungsfeld, das bisher von der Soziologie kaum berücksichtigt wurde. Auf der Basis von ethnographischen Untersuchungen analysieren wir speziell die handlungs- und interaktionstheoretischen, sowie die kultursoziologischen Dimensionen der Improvisation. Im ersteren Sinne zielen wir auf die Formulierung eines handlungs- und interaktionstheoretischen Modells des improvisatorischen Handelns, das Improvisationsprozesse erklären kann. Wir gehen davon aus, dass das bisher bestehende (soziologische) handlungstheoretische Instrumentarium solche Prozesse nur bedingt erklären kann. Problematisch erscheinen für die Theorie zwei Themenkomplexe, die in verschiedenen Forschungsprojekten untersucht werden:

 

1)Improvisation besitzt einen Doppelcharakter. Dieser besteht darin, dass sie einerseits durch Kreativität gekennzeichnet ist und beispielsweise als Methode des Komponierens fungiert; zum anderen scheint sie eine reproduzierende Gestaltungsweise zu sein, in dem Sinne, dass automatisierte Vorgänge während des Spielens hervorgebracht werden. Wie lässt sich dieser Doppelcharakter der Improvisation handlungstheoretisch erklären? Welche Rolle spielen dabei Handlungsentwürfe, Reflexivität, aber auch Körper, Freiheit und die Regeln des jeweiligen Genres? Mit dieser Fragestellung setzt sich das Projekt Improvisation als „neuer“ Handlungstypus. Eine handlungstheoretische Exploration der musikalischen Improvisation auseinander.

 

2)Unsere Analysen, sowie neuere Literatur – insbesondere in den Bereichen der Ethnomusikologie, sowie der Kreativitätsforschung – deuten darauf hin, dass das situative und interaktive Moment des Improvisierens in Gruppen eine wesentliche Rolle im improvisatorischen Handeln spielen. Insofern muss ein handlungstheoretisches Modell improvisatorischen Handelns mit der Integration von interaktionstheoretischen Elementen erfolgen, die der zentralen konversationellen Dimension von Improvisationsprozessen gerecht werden. Dabei erhält die Frage hohe Relevanz, wie Abstimmung zwischen den Handelnden in solchen Prozessen erfolgt, da jenseits von Routinen, Erfahrung und Regeln das eigene Handeln sowie das Handeln der Mitmusiker kreativ und insofern wenig antizipierbar ist. Wie ist dabei die Handlungskoordination zwischen den Handelnden zu erklären? Welche Interaktionsmuster und mikrosoziale Ordnungen entstehen? Im Projekt  Abstimmungsprozesse beim musikalischen Improvisieren in Free Jazz und Flamenco werden diese Themen untersucht.

 

Kultursoziologisch werden Improvisationsprozesse in der Kunst als spezifische Formen der Sozialität untersucht, die in kulturelle, historische und diskursive Kontexten eingebettet sind. Besonders relevant bei solchen Prozessen ist einerseits die dialogische Dimension, die von den Teilnehmenden eine intensive Aufmerksamkeit bezüglich des eigenen und des fremden Handelns verlangt. Andererseits lebt die Improvisation von Momenten der Ungewissheit, die schöpferische Handlungsweisen und Interaktionen fördert und fordert. Beide Aspekte von Improvisationsprozessen ermöglichen besonders intensiv erlebte Formen der individuellen Expressivität, Spontaneität und Kreativität sowie der Vergemeinschaftung. Da – je nach Genre in unterschiedlichem Grade – ‚Fehler’, ‚Impulse’ und Ungewissheit eine produktive Kraft entfalten, vertreten wir die These, dass das kollektive Improvisieren in der Kunst eher ein Moment des sozialen Ordnens, ein ‚experimentierendes’ Moratorium des Alltags darstellt. Darin liegt das Potential von Improvisationsprozessen für die Gestaltung kreativer Ausdrucks-, Handlungs- und Interaktionsformen. Mit Termini wie Improvisation bzw. Improvisieren wurde erst im Italienischen des XVIII. Jahrhunderts ein ‚besonderer’ Handlungstypus begrifflich ausgesondert, der einen Kontrast zu geplanten, rationalen, vorhersehbaren, ja in einem gewissen Sinne sozial ordnungskonformeren Handlungstypen darstellt. Es ist jedoch eindeutig, dass Menschen „schon immer“ über die Fähigkeit und die Praxis des Improvisierens verfügen und diese ausüben. Insofern sehen wir Improvisation nicht (nur) als eine ausdifferenzierte Form des Handelns, die sich in kulturellen Nischen ausdrückt, sondern unsere kultursoziologischen Bemühungen zielen darüber hinaus auf die theoretische Integration der improvisatorischen Aspekte des Alltagshandelns mit den bestehenden Handlungs- und Interaktionsansätzen sowie mit Theorien sozialer Ordnung/Wandel. Besonders relevant für empirische Untersuchungen sind Kulturen, in denen „Alltagsimprovisation“ besonders ausgeprägt ist, weil Ungewissheit und nicht Antizipierbarkeit das tagtägliche Leben bestimmen. Fördern diese Kulturen die Kreativität oder hindern sie sie? Ermöglichen diese Gesellschaften andere Formen sozialer Ordnung, die die westliche Prägung dieses Begriffes in Frage stellt?Unsere Projekte sind interdisziplinär ausgerichtet. Wir kooperieren insbesondere mit Musikwissenschaftler/innen, Ethnomusikologen/innen, Kreativitätsforscher/innen und Musiker/innen.